Geschichte
2015 szeptember 11., 11:37

Auf Grund seiner außerordentlich günstigen Lage war Szentendre – das am rechten Ufer der Donau in einem durch die Budaer Berge und den Visegráder Gebirgszug eingerahmten Tal liegt – ein seit Urzeiten fortlaufend bewohntes Gebiet. Die Römer gründeten hier unter dem Namen Ulcisia Castra (Wolfslager) eine Stadt. Der heutige Name, den die Stadt vermutlich von Apostel Andreas, dem Schutzheiligen der Basilika zu Visegrád erhielt, tauchte zuerst in einem in Latein gehaltenen Dokument aus dem Jahre 1146 auf.

Die Nähe der mittelalterlichen Königssitze Esztergom und Visegrád sowie Buda und die zu deren Verbindung dienende Strecke, die quer durch Szentendre führte, trugen enorm zur Entwicklung der Gemeinde bei. Im 14. Jahrhundert wurde im Leben von Szentendre ein neues Kapitel aufgeschlagen, als sich auf der Flucht vor den Türken eine große Zahl Serben in der Stadt ansiedelte. Kaum 40 Jahre später folgte eine weitere Flüchtlingswelle, wobei die Bauten und Bräuche der aus Délvidék (Südungarn) eintreffenden Siedler dem Städtchen in zunehmendem Maße ihren Stempel aufdrückten. Während der Zeit der Türkenherrschaft (zwischen 1540 und 1686) wurde die Stadt jedoch vollständig entvölkert. Die alten Siedler wurden zusammen mit dem alteingesessenen Ungarntum auf dem Gebiet von Szentendre liquidiert. Doch die Nachricht von der Existenz des weit im Norden gelegenen Ortes hielt sich im Kreis der südungarischen Bevölkerung am Leben. Als Belgrad 1690 erneut in türkische Hände fiel, traf deshalb eine neue gewaltige Fluchtwelle vom Süden her ein. Im 18. Jahrhundert entstand ein sprudelndes Städtchen mit Eigenerzeugern und Händlern, das starke Wesenszüge der Délvidék, aber hauptsächlich serbischer Natur zeigte; ein prawoslawisches Episkopat wurde in Szentendre betrieben, zu dem allein innerhalb der Stadt 9 Kirchdörfer gehörten.

Zu jener Zeit entstand das für das heutige Szentendre charakteristische Stadtbild, wo an die Stelle der früheren Holzhäuser solche aus Ziegeln rückten und aus Steinen errichtete öffentliche Gebäude und Wohnhäuser mit typisch türkisch-südslawischen Merkmalen an den Mittelmeerraum erinnerten. Die Entwicklung fand im 19. Jahrhundert eine deutliche Unterbrechung. Wenngleich ein Hauch der Industrialisierung auch Szentendre streifte, blieben die Hauptbeschäftigungen der hiesigen Bevölkerung doch die Bestellung des eigenen Landes und der Weinbau. Die Reblausseuche von 1880 bedeutete denn auch eine gewaltige Naturkatastrophe für die Anwohner, die von diesen nie wirklich verdaut wurde. An die Stelle der Rebentrauben rückten dann in unglaublich mühseliger Arbeit die heute so berühmten Obstanbaukulturen. Heute gelten Szentendre und sein Umfeld als die wichtigsten Obstlieferanten der Hauptstadt, speziell bei Stachelbeeren.

Unterdessen assimilierte sich ein Großteil der ursprünglich serbischen Bevölkerung, während ein Teil unter den Nachfahren der Siedler wieder nach Serbien zurückkehrte. Heute leben nur noch wenige Dutzend serbische Familien von den Nachfahren der Erstbesiedler in der Stadt.

(www.danubiusmagazin.hu)